


Regelmässige Pausen während der Arbeit tun gut und steigern die Leistung. Das Wissen darum ist verbreitet, wird aber kaum umgesetzt. Pause machen ist offenbar nicht so leicht, wie es klingt. Warum nur?
Es ist inzwischen ein vertrauter Anblick: Auf dem roten Sofa, das im Flur zwischen den Büros steht, liegt einer der Kollegen aus der Korrekturabteilung. Die Füsse hängen locker über die Sofalehne, die Hände hat er auf dem Bauch gefaltet, ein Baseballkäppi bedeckt das Gesicht.
In den Köpfen derer, die auf dem Weg zum Kaffeeautomaten vorbeieilen, arbeitete es anfangs: Was macht der da auf dem Sofa? Feiert er die Nächte durch und muss dann während der Arbeitszeit seinen verpassten Schlaf nachholen? Nein, vermutlich leidet er an der Krankheit Narkolepsie, die von Schlafattacken gekennzeichnet ist. Wie sonst könnte er so ruhig mit geschlossenen Augendaliegen, während ringsum alle dem Feierabend entgegenkrampfen?
Mittags-Tief. Der Kollege leidet nicht an Narkolepsie. Er hört bloss gerne Musik. Statt sich dreimal in drei Stunden einen Kaffee zu holen, legt er sich lieber einmal zehn Minuten hin, schaltet den iPod ein und den Kopf ab. Für ihn die perfekte Pause.
Der Mann kann, was Psychologen und Schlafforscher seit Jahren empfehlen und was viele Menschen nur sehr mühsam oder gar nie lernen: sich im Arbeitsalltag entspannen. Und er tut damit sich selbst und seinem Arbeitgeber gleichermassen einen Gefallen. Das sagt jedenfalls Jürgen Zulley, Schlafforscher und Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums in Regensburg. «Nach einem Mittagsschlaf steigt die Leistung um bis zu 35 Prozent», so Zulley. Man muss nicht mal unbedingt richtig schlafen, dösen reicht laut Zulley schon aus. Die ideale Pause ist in seinen Augender Power-Nap (ungefähr zu übersetzen mit «Kraftnickerchen»), der im Idealfall rund 20 Minuten dauert und am besten nach dem Mittagessen gehalten wird. «In der Zeit zwischen 13 und 14 Uhr haben wir ein biologisches Tief, unabhängig von äusseren Faktoren», sagt Zulley. Wer in dieser Zeit ruht, arbeitet nachher besser und holt die «verlorene» Zeit damit locker wieder heraus.



